Goldstandard einfordern, oder Kundennötigung?
Wir sind eine kleine Ein-Mann-Praxis auf dem platten Land.
Wir können nicht alles selbst machen an Diagnostik und Operationen.
Wir sind uns dessen bewusst und empfehlen dann, in die Klinik zu fahren, weil dort nach dem "Goldstandard" vorgegangen wird.
Beispiel: Zahnstein bei einer Katze
Goldstandard: Zahnröntgen - Diagnose ob FORL oder nicht und ggf. alle befallenen Zähne ziehen. Oft mit Intubationsnarkose. Zahnröntgen, ob auch alles wirklich entfernt wurde nach der OP.
Bei uns: Injektionsnarkose, Zahnsteinentfernung mit Ultraschall, optische Überprüfung der Zähne, Zähne ziehen, die locker sind, Polieren und Abhärten.
Wir klären darüber auf, weisen auf die Unterschiede, die Risiken und den Vorteil des medizinischen Goldstandards hin.
Aber wenn der Besitzer, aus welchen Gründen auch immer, nicht in die Klink will, wäre die Alternative zu unserer Behandlung nämlich gar keine Behandlung und das will ja auch niemand.
Letztlich geht es immer um die Lebensqualität des Tieres und die ist auch nach unserer Behandlung um ein Vielfaches besser als ohne Behandlung (Auswertung durch Lebensqualität-Skala)!
Beispiel: Schilddrüsenüberfunktion der Katze
Der Goldstandard ist die Radium-Jod-Strahlentherapie. Dabei wird das Gewebe völlig zerstört. Wenige Kliniken bieten das an, die Katze muss isoliert werden, da selbst die Ausscheidungen verseucht sind. Nach der Therapie braucht die Katze lebenslang tägliche Tabletten, da ja die Hormone trotzdem gebraucht werden.
Bei uns: Lebenslang Tabletten, die die Funktion der Schilddrüse drosselt, aber nicht völlig herabsetzt.
Fazit: In beiden Fällen muss die Katze lebenslang Tabletten nehmen. In einem Fall allerdings ohne vorherige Strahlentherapie.
4. Von den Kosten für den Besitzer (alle Tiere sind "Privatpatienten") einmal ganz zu schweigen
Zunehmend erhalten wir Berichte von unseren Kunden, dass Ihnen in der Klinik dann erzählt wird, dass unsere Behandlung nichts tauge, weil wir ja nicht nach dem Goldstandard arbeiten würden.
Lebensqualität oder alles, was medizinisch möglich ist?
Ich finde es sollte in der Tiermedizin nicht der selbe Fehler gemacht werden, wie in der Humanmedizin und immer ALLES, was irgendwie medizinisch möglich ist, auch gemacht werden.
1. Es ist - wie jetzt auch in der Humanmedizin - nicht finanzierbar
2. Es geht beim Tier um die Lebensqualität und die mögliche Lebensdauer.
2. Es geht beim Tier um die Lebensqualität und die mögliche Lebensdauer.
- Ein Mensch mit 60 kann mit einem künstlichen Hüftgelenk noch 30 Jahre leben.
- Ein 40 kg Hund mit 10 Jahren und schwerer Arthrose wird nach der OP vielleicht noch 1 - 2 Jahre leben - das geht auch mit Schmerzmitteln, ohne OP.
3. Nebenwirkungen von konservativen "Langzeitbehandlungen" fallen beim Tier oft nicht so schwer ins Gewicht, da "Langzeit" ja gar nicht mehr so lang ist.
4. Von den Kosten für den Besitzer (alle Tiere sind "Privatpatienten") einmal ganz zu schweigen
Goldstandard einfordern, oder Kundennötigung?
Zunehmend erhalten wir Berichte von unseren Kunden, dass Ihnen in der Klinik dann erzählt wird, dass unsere Behandlung nichts tauge, weil wir ja nicht nach dem Goldstandard arbeiten würden.
Zudem werden sie unter Druck gesetzt, es wird ihnen ein schlechtes Gewissen gemacht, es wird gedroht, dass das Tier gleich einbehalten wird und es wird mit dem Tierschutzgesetz argumentiert, wenn sie nicht Tausende von €uros auf den Tisch legen und die OP durchführen lassen, die die Klinik machen will.
Kunden erhalten Anrufe mit der Aufforderung doch endlich einen OP-Termin zu machen, oder sonst ...
Diese Entwicklung finde ich höchst bedenklich und führt schlimmstenfalls dazu, dass ich nicht mehr in diese Klinik überweise.
Auch Kliniken sollten Alternativen zum Goldstandard anbieten, wenn dieser finanziell nicht tragbar ist, und zur Erhaltung der Lebensqualität auch eine konservative Lösung möglich ist.
Wenn das "Beste" manchmal nicht möglich ist, sollte zumindest noch das Zweitbeste als Alternative angeboten werden.
Beispiel: schwere chronische eitrige Ohrenentzündung bei einem alten Hund
Bei uns: Untersuchung und Differential-Diagnostik der Keime/Pilze im Labor, Ohrreinigung und Behandlung mit Langzeitmedikament. Rezidive ca. alle 3 - 5 Monate.
Überweisung in die Klinik.
Ohrspülung in Vollnarkose, CT vom ganzen Hund, Blutuntersuchung, Therapieumstellung (ohne Resistenztest abzuwarten) und aufdringliche Empfehlung einer Ohr-OP mit Entfernung des Gehörganges für mehrere Tausend €. Nötigende Telefonanrufe.
Fazit: Kundin ist nahezu verzweifelt, hat Angst vor der Klinik und deren Anrufen, weil Sie dort wie eine Tierquälerin hingestellt wird, wenn sie nicht tut, was die ihr sagen! Sie will einen Kredit bei der Bank aufnehmen, um sich dem Druck zu beugen.
ABER: Das Tier hat die 1. Narkose schon schlecht vertragen, hatte bei der letzten OP deutliche Wundheilungsstörungen und ist wirklich alt.
Dem Hund geht es jetzt nach der Spülung fantastisch. Die Ohren werden regelmäßig gespült und behandelt, das Tier steht unter meiner tierärztlichen Kontrolle.
Natürlich wird es früher oder später wieder ein Rezidiv geben. Doch wenn frühzeitig eingegriffen wird, ist das auch in 1 - 2 Wochen wieder abgeheilt. Das wird bei dem Alter voraussichtlich noch 2 - 3 mal passieren. In der Zwischenzeit geht es ihm gut, er braucht keine schmerzhafte, aufwändige und heilungsintensive OP, keine belastende Narkose und vor allem keine Besitzer, die sich Überschulden.
Ich finde, das ist durchaus medizinisch, moralisch und vom Tierwohl sowie vor allem auch finanziell vertretbar!
Kliniken sind wichtig
Bitte nicht falsch verstehen ...
Wir sind froh, dass es einige Klinken in erreichbarer Nähe gibt, an die wir unseren schweren und/oder unsere speziellen Fälle zur weiteren Diagnostik und ggf. OP überweisen können.
Doch wenn diese nur EINE Option anbieten und ausschließlich auf der Maximalversorgung bestehen, landen die Tiere dann doch wieder bei uns ...
Wir sind froh, dass es einige Klinken in erreichbarer Nähe gibt, an die wir unseren schweren und/oder unsere speziellen Fälle zur weiteren Diagnostik und ggf. OP überweisen können.
Doch wenn diese nur EINE Option anbieten und ausschließlich auf der Maximalversorgung bestehen, landen die Tiere dann doch wieder bei uns ...
Tierkrankenversicherung ist sinnvoll
Um gar nicht erst in den Konflikt zu geraten, sich zwischen Tierwohl und finanziellem Ruin entscheiden zu müssen, raten wir jedem Tierbesitzer dazu, eine Tierkrankenversicherung abzuschließen.
Einige Anbieter habe ich hier aufgelistet, eine konkrete Empfehlung können wir nicht abgeben: https://hund-katze-heimtier-kleintier.de/tierversicherung/
Einige Anbieter habe ich hier aufgelistet, eine konkrete Empfehlung können wir nicht abgeben: https://hund-katze-heimtier-kleintier.de/tierversicherung/
(Doch auch das ist nicht jedem Menschen möglich und wie ich gerade lese hat die Agila Ihre Beiträge von jetzt auf gleich praktisch verdoppelt. Was u.a. auch an der Maximal-Versorgung und Umsatz-Optimierung der Ketten-Kliniken liegt.)
Ähnlicher Artikel von vor 2 Jahren:
https://hund-katze-heimtier-kleintier.de/goldstandard-wunsch-und-wirklichkeit/
https://hund-katze-heimtier-kleintier.de/goldstandard-wunsch-und-wirklichkeit/





























